Me, Myself and I – Multiple Messepersönlichkeiten

By Oktober 17, 2015News

Was für Filmfans der Blockbuster des Jahres, das ist für Liebhaber des gedruckten Wortes die Frankfurter Buchmesse: großes (Literatur-)Kino. Und eben so, wie ein Film einen Soundtrack verdient, meritiert oft auch das persönliche Messeerlebnis ein Motto aus dem literarischen Milieu. Unübertrefflich treffend drängt sich mir da in diesem Jahr eine Frage auf, die Richard David Precht sich selbst und seinen Lesern vor einigen Jahren sehr erfolgreich gestellt hat: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Als Journalistin bin ich akkreditiert, und so scoute ich für die Kinder- und die Jugendseite der Gelnhäuser Neuen Zeitung die Messestände in Halle 3.0, plane im Kopf die Buchtipps des kommenden halben Jahres und bedaure wieder einmal, dass ich jeweils nur eine einzige Bilder-, Kinder- und Jugendbuchbesprechung pro Woche unterbringen darf – denn natürlich entdecke ich genug großartigen Lesestoff, um täglich mit Lektüretipps um mich werfen zu können. Zu viele gute Bücher, zu wenig Zeit und Platz im Regal – das ewige Dilemma.

Als Gutachterin pflege ich auf der Messe beruflich wichtige, oft mir aber zugleich auch persönlich ans Herz gewachsene Kontakte und komme mit liebgewonnen Menschen zusammen, mit denen ich in manchen Fällen zwar mehrmals wöchentlich Mails austausche, die ich aufgrund der räumlichen Distanz aber leider viel zu selten tatsächlich sehe. Nach Hamburg zum Beispiel ist es eben leider kein Katzensprung … Und so ist dieser Aspekt der Messe mir im Grunde der liebste, weil sich das Nette mit dem Nützlichen verbinden lässt und man sich etwa über neue Aufträge oder Projekte einmal persönlich und nicht in der selbstgewählten Isolation vor dem heimischen Laptop austauschen kann.

Als Übersetzerin knüpfe ich in diesem Jahr in erster Linie neue Kontakte und muss entsprechend viele Klinken polieren – was sich, nicht gänzlich unerwartet, als emotionale Achterbahnfahrt entpuppt; da reicht die Reaktionsspanne von nett und aufgeschlossen über reserviert bis restlos desillusionierend.  Zum Glück aber überwiegen die positiven Resonanzen, ich bringe einen Großteil meiner druckfrischen Visitenkarten unter die Büchermenschen und wage zu hoffen, dass sich der ein oder andere auch in ein paar Tagen am Schreibtisch im Verlag beim Ansehen derselben noch an mich erinnert und bestenfalls den Weg hierher auf meine Homepage findet. Sollten Sie sich nun angesprochen fühlen: Herzlich willkommen!

Als Autorin habe ich eine kleine Anschauungsmappe geschnürt und preise bei verschiedenen Bilderbuchverlagen die Geschichte eines kleinen Krokodils mit Zahnspange an – erzählt von mir, bebildert von einer guten Freundin, die glücklicherweise Illustratorin ist und Figuren nicht nur verbal, sondern auch visuell zum Leben erwecken kann. Unserem liebenswerten grünen Hauptakteur fliegen tatsächlich spontan eine Menge Herzen zu – auch hier bleibt aber nun erst einmal nur, die Daumen zu drücken, dass es sich dabei um mehr als ein Messestrohfeuer handelt.

Und zu guter Letzt bin ich natürlich auch noch als Privatperson auf der Messe, treffe Freunde und Kollegen und lasse mich einfach ein bisschen treiben – denn auch, wenn ich am Schreibtisch stets fleißig Vorschauen wälze und mittlerweile mehr tägliche und wöchentliche Verlagsnewsletter als private E-Mails in meinem Postfach landen, entdeckt man unweigerlich auf der Messe immer wieder das ein oder andere Juwel, das einem bislang entgangen ist.

So vergehen die drei Fachbesuchertage wie im Flug. Und am Ende? Nach allen Höhen und Tiefen, den vielen schönen und wenigen verzichtbaren Momenten, dem literarischen Overkill und der zugleich davon aufgestachelten Vorfreude auf Höhepunkte der kommenden Lesemonate überwiegt doch wie in jedem Jahr die Wehmut, dass alles schon vorbei ist – und die Vorfreude auf Leipzig im kommenden Frühjahr!